Social Media-Falle

Was war ich so stolz, als ich im Dezember 2005 über einen Clifford Chance-Kollegen in New York sven.richert@gmail.com für mich registrieren konnte. Damals™ war es noch Stand der Technik, dass man sein Passwort häufig ändert. Ich ändert also immer mal wieder mein Passwort für dieses Google-Konto und irgendetwas ging das schief, das war 2008. Zwei Jahre lang habe ich versucht, wieder Zugriff auf „mein“ Konto zu bekommen – vergeblich. Auf meine Anfragen per E-Mail habe ich überhaupt keine Antworten bekommen, eine Telefon-Hotline gab und gibt es nicht und Website-Support auch nicht. Über einen anderen Ex-Kollegen aus Washington, der zwischenzeitlich einer der unzähligen Google Vice Presidents geworden war, habe ich versucht, zu eskalieren. Erfolglos. Er teilte mir lapidar mit, dass man ihm gesagt habe, dass ich als Deutscher ja gar nicht Inhaber des Kontos sein könne (s.o.). 

Viele Unternehmen verdienen ihr Geld nicht mit exzellentem, individuellem Kundenservice, sondern mit schierer Masse. Wenn das für 99,9 % Deiner Kunden ausreicht, dann ist das kein Problem. Jeder 1.000ste wird unzufrieden, davon werden wieder 90 % das einfach ertragen und die anderen gehen halt. Das ist bei Deutschen Unternehmen, die Commodity-Produkte anbieten, auch nicht anders. Wenn Dir die Angebote von Ionos, der Telekom, Vodafone oder Tschibo beispielsweise nicht gefallen, dann viel Spaß beim Verhandeln andere Konditionen. 

Pro-Tipp: Das einzige, was hilft ist Prominenz (immer) oder Presse (nicht immer).

Im Mai 2020 wurde der Instagram-Account der Bauhaus-Uni Weimar gehackt. Die Hacker waren schnell ausgesperrt. Aber: Die Kontrolle über das eigene Konto erlangte die Uni trotzdem nicht zurück. Stattdessen folgte ein dreiviertel Jahr verzweifelter Kampf mit dem Service von Instagram.

Mir ist vollkommen unklar, warum alle™ heutzutage auf eine eigene Webpräsenz verzichten und sich Facebook und/oder Instagram ausliefern. Ich habe in meinem Leben auch viel Zeit auf Twitter, Instagram, Posteros, Pinterest, Gowalla, Facebook und LinkedIn vergeudet. Das, was mir wichtig ist, habe ich aber immer auch parallel in meinem selbst gehosteten Blog auf meiner eigenen Domain bei einem befreundeten, lokalen Betreiber veröffentlicht. Also hier.  Die Conversion-Rate ist winzig, die wenigsten folgen mir hierher, sondern bleiben bei dem letzten von mir genutzten Social Network hängen.

Für die Bauhaus-Uni sollte das viel leichter sein.